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Raum für meine Briefe an dich

Raum für meine Briefe an dich

Altenberge, der 11.05.2024

Liebe Sybille,

heute vor einem Jahr hast du deine Ruhe und Erlösung gefunden, mich zwar mit meinem Schmerz über den Verlust alleine gelassen, aber ich habe hart gekämpft, das zu verstehen und zu verarbeiten und für mich ein neues Leben gefunden. So wie du es mir gewünscht hast, habe ich auch mein neues Glück gefunden. Warst du daran beteiligt…? Ich bin dir weiter ganz eng verbunden und trage dich in meinem Herzen weiter, kann das inzwischen ganz liebevoll und mit großer Dankbarkeit machen. Hatten wir doch 35 schöne und intensive Jahre, die mich sehr geprägt haben. In diesem Sinne lebe ich mein neues Leben weiter und werde dich nie vergessen, deinen Humor und deine Gelassenheit, deinen magischen Umgang mit deinen Hunden und dein unbändigen Lebenswillen, der dich die letzten gut 20 Jahre trotz der MS so ausgemacht haben, auch bei deinen immer stärker werdenden Einschränkungen. Auch dem Krebs wolltest du trotzen, aber den Kampf konntest du dann nicht mehr gewinnen. Von deinem Lebenswillen hab ich mir mehrere Scheiben abgeschnitten und davon zehre ich jetzt noch, absolut bewundernswert bleibt der. Wo immer du jetzt auch bist, dein Geist schwirrt für mich immer und überall mit weiter und du bist immer noch so präsent! Was für ein wunderbarer Glücksfall, dir begegnet zu sein und du kannst stolz drauf sein, mich damals “rumgekriegt” zu haben, ich war einfach zu schüchtern. Du hattest mich aber irgendwann dann doch überzeugt und ich habe es nie bereut. Nun sind wir zwar getrennt, aber im Geiste weiter vereint, ein wahnsinniges Geschenk.

Ich liebe dich, mein zauberhafter Engel!


Altenberge, der 14.02.2024

Meine liebe Sybille

gerade habe ich das Gefühl, dir mal wieder schreiben zu müssen/dürfen. Es ist soooo viel passiert in der letzten Zeit. Ich habe das Gefühl, du hast das ja alles „hautnah“ miterlebt, weil du ja so in meinem Herzen verankert bist. Aber das schriftlich zu machen, meine Gedanken die ich gerade so habe zu verwörtern ist für mich ein wichtiges und gutes Mittel und man kann später noch einmal nachlesen was einen zu diesem Zeitpunkt beschäftigt. Also:

Es fühlt sich gerade alles so gut und richtig an und auch schon fast normal und vertraut an, was ich mit Sylvia erleben darf. Es ist für mich so ein erstaunliches Gefühl, dass ich nun zwei Frauen lieben kann, das hätte ich nie gedacht. Jede auf seine besondere Art. Dich ganz vertraut wie in den letzten 35 Jahren und wie am Schluß sehr sehr innig, aber ohne überhaupt noch an Sex zu denken, geschweige denn diesen zu leben. Ich habe in der Zeit nichts vermisst. Sylvia liebe ich, ganz frisch verliebt, so wie vor 35 Jahren mit dem Unterschied, dass wir damals frisch verliebt waren und alles wie einen Schwamm aufgesaugt haben und „naiv“ angenommen haben. Heute geniessen wir das ganz bewusst noch einmal, aber mit einer Reife, die alles trotzdem noch einmal wie neu macht. Einwunderbares Gefühl, dass du sicherlich in mir spürst und es so für mich noch traumhafter macht. Es ist schwer das in Worte zu fassen, aber ich bin dir so dankbar, deine Liebe erlebt zu haben, die mich in meinen Handeln so geprägt hat und die ich jetzt in Dankbarkeit weiter geben kann. Mit Sylvia erlebe ich gerade das Körperliche wieder ganz neu, aber auch so vertraut, wie ich das ja (nur) durch dich und mit dir erleben und vor allem erst erlernen durfte. Das ist ja auch das, was ich m meisten vermisst habe, seit deinem Tod. Eigentlich sollte man nicht vergleichen, aber das kann ich nicht und will ich es überhaupt? Viele Seelenverwandschaften, die ich mit dir hatte, habe ich jetzt mit Sylvia. Ihr seit euch in dem Sinne garnicht unterschiedlich. Vielleicht habe ich das auch gesucht und eben so schnell wieder finden durfen. Ich bin einfach nur froh, wie es gerade ist.


Altenberge, der 11.01.2024

Mein Engel,

auch wenn ich schon lange kein Brief mehr an dich geschrieben habe, so bist du doch in meinen täglichen Gedanken immer mit dabei. Ich rede mit dir, komme mir da manchmal blöd vor aber, es tut immer gut. Es schmerzt oft, aber es tröstet mich immer. Immer mehr wird ein kleines Schäufelchen dieser schmerzlichen Trauer zu einem anwachsenden Häufchen der Dankbarkeit rübergeschoben und jeder Gedanke an dich heilt derzeit die Wunde des Verlustes ein bisschen Ich sehe das inzwischen auch nicht mehr so als Verlust, sondern Bereicherung meines neuen Lebens. Wie sagte ich neulich Beata, nachdem ich einen Beitrag über Liebe gehört hatte: ich stecke derzeit nicht in einer Midlifecrisis, sonden in einer Endlifecrisis und zwar zwangsweise. Dabei merke ich, wie dies ein Satz ist, der so von dir kommen könnte. Die Krise wird aber derzeit ganz eindeutig zur Chance. Chance, mein Leben mit dir auf einer neuen Basis anzupacken und anzugehen. Und dass da eine neue Liebe eine Rolle spielen würde und müsste, war mir schon länger klar, auch schon vor deinem Tod. Das Gespräch darüber wolltest du und auch ich nie führen, aber wir waren uns auch ohne Worte einig. Du, dass du ganz allgemein von einer glücklichen Zukunft für mich gesprochen hast und ich in meinen ganz inneren Gedanken, die dort blieben, um dich zu schützen. Manches muss nicht in Gesprochenes verwandelt werden. Aber das Thema hatten wir ja auch geklärt und auch da waren wir uns so seelenverwandt, weil auch du mich immer schützen wolltest. Einer unserer partnerschaftlichen Missverständnisse, aber das ist nun ja auch Schnee von gestern. Ich brauche dir hier im Brief ja auch garnicht zu erzählen, wie meine Gedanken derzeit Karussell fahren und wie ich merke, da kommt was auf mich zu, was ich vor 35 Jahren schon mal hatte. Verbunden mit Angst, Unsicherheit, aber mit ungeheuren Bauchgefühl, erst erschreckend, aber inzwischen mit immer ganz klareren Blick, auf das was gerade ist und was werden kann. Vor drei Monaten hatte ich noch ernsthaft gedacht, neben dir und zwischen uns passt keine andere mehr. Aber ich spüre immer heftiger, doch das geht. Und nun ist es so. Mein Herz öffnet sich gerade, es fühlt sich gut und richtig an und dein Platz dort wird nicht kleiner, eher noch größer, es ist der Wahnsinn und ich kann es kaum glauben. Bei dem Gedanken werden meine Augen feucht, nicht vor Trauer oder Schmerz, sondern vor Glück. Juhu, da ist es wieder! Mein Spruch, den ich mir zu eigen gemacht habe, “Ich lass mir von meiner Trauer doch nicht vorschreiben, nicht auch glücklich zu sein”  bekommt Realität! Was für ein schönes Gefühl. Wie vor 35 Jahren und natürlich ganz oft dazwischen auch.  Ich bin dir ja immer sowas von treu gewesen. Gedanklich gab es da natürlich immer mal wieder Anlässe zu zweifeln, das ist normal. Und nach solchen Gedanken waren mal wieder Schmetterlinge für dich in meinem Herzen. Eine Frischzellenkur für unsere immer wachsende Liebe. Mein besonderes gutes Verhältnis zu vielen Frauen in meinem Bekanntenkreis hast du ja oft frotzelnd kommentiert, aber du wusstest, nie würde ich da was anbrennen lassen. Und nun? Es ist halt passiert, viel früher als ich je geglaubt hätte. Wem erzähl ich das, du bist ja immer dabei, ich kann nichts mehr verheimlichen, ich will es auch gar nicht und du würdest das auch nicht wollen. Und was wird nun? Ich weiss es noch nicht, weswegen ich ja gerade wieder am Handy die virtuelle Tastatur mit meinen Gedanken regelrecht bombadiere. Schreiben tut so gut… außer der linken Hand, die ist bitter kalt, die muss ich jetzt erstmal unter der Bettdecke aufwärmen….

So, jetzt sitze ich auf deinem Platz im Wohnzimmer, habe einen Tee gemacht, es ist 6.15Uhr  und ich kann weiterschreiben.

Wie vor 35 Jahren möchte diesesmal ich aber um die aufkommende Liebe kämpfen, ich möchte mein “Fehler” von damals nicht wiederholen und warten bis was passiert. Nur wann ist der richtige Zeitpunkt? Warte ich, kneife ich oder vergesse ich es einfach? Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass er jetzt sein muss, Ich kann nicht länger warten und muss es angehen.  Ich habe doch grünes Licht von dir, mein Engel, oder? 

Ich weiß nicht, ob ich “enttäuscht” werde, die Lage ist etwas verzwickt, aber egal wie das ausgeht. Ich habe nichts zu verlieren, habe doch schon alles gehabt die letzten 35 Jahre. Alles was jetzt kommt ist mein Bonusprogramm Und ich weiss: alleine geht es auch, schöner ist es aber, zu zweit durchs Leben zu gehen. 

Dein dich immer und ewig liebender Schatz


Altenberge, den 25.12.2023

Guten Morgen mein Schatz,

schon wieder ist es (zu) früh am Morgen wenn ich dir schreibe. Wird das zur Gewohnheit? Sind da meine Gedankem am klarsten? Jedenfalls hab ich schon mein Tagesfoto gemacht, das wohl früheste ever…

Egal – ich hab einfach wieder das Bedürfnis, dir zu schreiben. Danke erst einmal, dass ich deine Gedanken vor ein paar Tagen haben und aufschreiben durfte. Wie hat mich das doch in meinem Seelenfrieden um meine ganze Situation und der Trauer um dich ein gutes Stück weitergebracht. Ich hatte regelrechte Angst vor dem ersten Weihnachten alleine ohne dich. Ich hatte mir fest vorgenommen, alle Gefühle zuzulassen, zu durchleben und so waren die letzten Tage schon ein ausserordentlicher Gemischtwarenhandel. Klar, Tränen flossen auch wieder, aber lag es daran, dass ich schon verschiedenste Szenarien durchdacht hatte, was wäre wenn? Zwar kann ich das für mich noch nicht wirklich einordnen und die Tage sind ja noch nicht vorbei und Sylvester kommt ja auch noch…Gestern morgen war es am schwierigsten, bei der Hunderunde und dem anschließenden Tee dachte ich noch: Naja, das wird ja noch was werden. Ich wollte mir ersparen, den Baum aufzustellen u.s.w. und einfach den Tag ausblenden und dann erinnerte ich mich aber an letztes Jahr. Da hast du mich damals motiviert, ihn für dich im Wohnzimmer aufzustellen. Warum soll ich das nicht also dennoch machen, wieder auf der Tenne, wie in früheren Jahren. Die war zwar sehr unaufgeräumt, aber in Gedanken an deine Worte letztes Jahr bin ich dann doch in Aktionismus verfallen und habe gehandelt. Das war gut, in Bewegung zu kommen und es für dich zu tun, naja letztendlich für mich, so sehe ich das heute morgen. Für dich kam ich für dich, aber auch für mich auf die Idee, den Baum nur mit 54 Sternen zu behängen und einem Engel. Und natürlich Kerzen. Bescherung haben wir spontan dann sogar schon mittags gemacht, für Mirjam. Abends gab es dann Schüttelpizza und Venetta-Eis… Alles ganz entspannt und irgendwie auch schön, mit vielen guten Gedanken an dich. Abends so alleine auf der Tenne, wurde mein Herz doch wieder schwerer. Logisch, du fehlst mir einfach. Es wurde aber nicht so, wie ich befürchtet hatte. Ganz entscheidend: es fehlte die Verzweiflung, die sich sonst oft bei mir breit machte, wenn ich mir mal wieder viele Warumfragen nicht beantworten konnte. Sie kamen nicht mehr auf. Vielleicht half da die Flasche Wein, die ich mir vorgenommen hatte, an dem Abend zu „killen“. Das hab ich auch locker geschafft, mit Radio im Hintergrund und Süßem vom Weihnachtsteller. Die Rache kam dann in der Nacht… schlechter und unruhiger Schlaf und Sodbrennen und dann schon um kurz vor Fünf wieder wach mit den Gedanken an dich und bei dir und nun das Schreiben an dich. Aber das ist jetzt „schön“ und anscheinend brauche ich wohl den frühen Morgen dafür… Dafür werde ich mich ausgiebigst heute mittag hinlegen. Jetzt komplettiere ich den Brief mit „Bildchen“(wie du immer schelmisch, aber liebevoll von meinen Fotos sprachst) von gestern für dich. Hoffentlich gehen die Tage jetzt so entspannt weiter, du mit deinen Gedanken in mir mich begleitend, das wäre schön. Nicht das du dir darauf jetzt was einbildest, es wird glaube ich immer schwer bleiben so physisch ohne dich, aber mit Dankbarkeit für eine so schöne Zeit vorher akzeptabler. Mal schauen… Ich liebe dich, mein Egel, ganz dolle und immer und ewig!

Dein Andreas, dein Schatz, dein ………………..


Altenberge, den 28.11.2023

Mein Schatz,

wieder einmal so ein Morgen nach so einem Abend und so einer Nacht. Und wieder habe ich das Bedürfniss. dir zu schreiben, so früh morgens, weil ich dich schlicht und einfach vermisse. Ich versuche ja nicht zu verdrängen und alles zuzulassen, komme was da wolle. Ich spüre ich kann jedesmal ein bisschen besser damit umgehen und es wühlt mich nicht jedsmal so heftig auf wie gerade. Es hängt sicherlich mit der Situation zusammen, die die Sehnsucht nach dir auslöst, bzw. was es auslöst in mir. Gestern war abends so eine Situation, die einerseits sehr schön war, aber andererseits mich dann wieder einmal mehr aufgewühlt hat als gedacht Ich suche ja gerade immer wieder nach Gesprächen mit „ehemaligen“ FreundInnen. Gestern habe ich Conny erreicht und es wurde ein intensives und sehr langes Telefonat. Gut, verständnissvoll und sehr emotional von beiden Seiten und danach konnte ich um kurz vor zwölf nicht direkt ins Bett, einschlafen fiel mir auch schwer und dann oft wach und aufs Klo und um 5 Uhr war ich wieder mit Gedanken hellwach und Grund dafür ist ganz einfach: ich vermisse dich soooo sehr….und das treibt mir immer wieder die Tränen aus den Augen, der Kopf hält den Druck nicht mehr aus, manchmal fließen nur Tränen, manchmal explodiert es in mir und ich muss den Schmerz rauslassen, das Gefühl, was ich bei der Todesnachricht hatte, ich war drauf vorbereitet, aber ich kann dem plötzlichen und schnell steigenden Druck nicht mehr standhalten. Wie ein Druckkochtopf, der zu heiß geworden war und den Überdruck ablässt. Es staut sich anscheinend immer wieder unterbewusst etwas auf, was dann raus muss, oder liegt das an den emotional unterschiedlichen Gesprächen/Ereignissen. Es muss raus und es darf auch, egal wie heftig es ist. Danach fühle ich mich „gereinigt“ wie nach einem Gewitter. Gestern abend war nach dem Telefonat so ein Moment, aber in mir hat es wohl weiter gewittert und nun dieser sich wiederholende Morgen. So kommst du heute wieder in den „Genuss“ eines Briefes an dich. Damit kann ich dann danach wieder irgendwie zu meinem Seelenfrieden mit meiner Situation kommen. Vieles Weitere habe ich ja gefühlt schon in den Selbstgesprächen mit dir „erzählt“, das mit Sylvia und das demnächst jemand den Hundeolatz anschaut um ihn eventuell zu pachten. Meine Zukunftsgedanken in alle Richtungen. Wie sehr vermisse ich die immer verständnissvollen Gespräche mit dir, die könnte ich jetzt gerade wieder so gebrauchen, deinen Rat, deine körperliche Nähe, einfach alles an dir. Ich könnte heulen, aber gerade geht es nicht. Heute habe ich frei und ich spüre, ich möchte diese Gespräche weiterführen und so werde ich heute morgen Klaus anrufen. Die Nummer habe ich von Conny und wir haben vereinbart, uns hier mal am Kamin zu treffen und zu reden. Wie schön, alte Kontakte wieder aufleben lassen zu können, wie mit Manfred neulich. Quasi einfach anknüpfend an die Zeiten von früher. Nur leider ohne dich, physisch. Daran m werde ich mich gewöhnen(müssen). Ich bin da Zuversichtlich, so ein Begriff, um den es in einem der vielen Podcasts ging, die ich derzeit auch zu Bewältigung höre und die mir auch helfen. Da kann ich nur zuhören, aber das ist auch gut zu hören wie andere damit umgehen und ich freue mich schon wenn Beata nächste Woche wieder arbeitet und wir unsere sehr intensiven Gespräche fortsetzen können


Altenberge, den 12.11.23

Mein allerliebster Engel,

seit einer Stunde wälze ich mich im Bett, bin hellwach, aber es ist jetzt erst 5 Uhr. Ich kann nicht mehr liegen bleiben und hoffen wieder einzuschlafen. Das wird mir sowieso nicht gelingen, denn die Gedanken kreisen um dich, den Tag gestern und überhaupt. vorgestern habe ich schon einmal meine Gedanken sortiert und niedergeschrieben, allgemein gehalten, soweit das überhaupt geht. Jetzt und hier wird es vermutlich sehr intim werden, sodass ich gerade diese bis jetzt „öffentliche“ Seite mit einem Passwort versehen habe, um mich und dich, um uns zu schützen. so sollen jetzt die Gedanken fließen und in welche Richtung, das wird sich zeigen. Erst einmal war das gestern teilweise ein schwerer Tag. Ich habe die Schwere nicht absichtlich herbeigeschworen, aber es kam wieder einmal über mich. Das fing vorgestern schon an, wie schon beschrieben. Gestern morgen hatte ich eine Spielstunde organisiert. Du weißt ja quasi aus meinen Selbstgesprächen mit dir, dass ich das Bedürfnis hatte den Hundeplatz in Ehren zu halten und auch die Kontakte, die du dort hattest. Ich hab mic ja nie da eingemischt und dich machen lassen. Da du jetzt immer mehr ein Teil von mir bist, habe ich das Bauchgefühl gehabt, diese Treffen fortzusetzen. auch mit Caroline, die sich übrigens sher gefreut hat, wieder einmal auf dem Hundeplatz zu sein. Von Sylvia hatte ich dir auch schon erzählt. Lustig, wenn ich das jetzt hier so schreibe. Manches spreche ich aus, an dich direkt gerichtet, manches denke ich und das ist auch an dich gerichtet…und du sollst, darfst das mitbekommen. Das Schreiben hier setzt es nochmal auf eine weitere Ebene, macht es für mich so richtig konkret. das ist schön, schmerzlich, aber immer nötig. Sonst wäre ich nicht aufgestanden, hätte mir ein Tee gemacht und sitze nun am Laptop und haue meine Gedanken in die Tastatur. Schreiben wie früher…, Ohgott, das würde nicht so fließen wie jetzt gerade und ich könnte das wahrscheinlich nachher garnicht mehr identifizieren…. Technik sei Dank. Wo war ich stehen geblieben. Gestern nach der Spielstunde hatte ich Dienst, war beschäftigt und abgelenkt, aber als ich nachmittags mit Ping und Yuki auf dem Platz war und da stand und den Hundeplatz betrachtete, wurde mir anders. Du standest aber bei mir und es wurde „nur“ wehmütig und ich spürte, ich brauche jemand der mich physisch in den Arm nimmt und ganz doll drückt. Da nütze dein gedankliches Dasein mir wenig. Diese Momente habe ich ganz oft und vor Wochen hätte ich ein schlechtes Gewissen bekommen(ich weiss natürlich, dass das unbegründet wäre aber dennoch…). Ich mache mir aber immer mehr Gedanken in diese Richtung. Du kannst es sicher verstehen, denn was waren in den letzen gemeinsamen Moanten unsere Moment zusammengekuschelt im Bett uns wichtig. Das ist das was mir ganz doll fehlt. Aber wie ersetzen? Da wird es ganz kompliziert. was will ich, was lasse ich zu, wozu bin ich jetzt schon bereit. Vielleicht mache ich mir einfach auch zuviele Gedanken, mein Bauchgefühl sagt mir gerade, du bist bereit für alles… und ich habe ja festgestellt, dass ichmich auf mein Bauchgefühl verlassen kann. Bin ich aber nur bereit, es zuzulassen oder gehe ich das aktiv an. Tja, ich würde, aber wie stelle ich das an? Da kommen ganz alte Gefühle meiner Jugend auf, die mich quasi „erstarren“ lassen und ich an die Situation erinnern, wie ich mich damals sogar gegen dich „gewehrt“ habe, obwohl ich ja nicht nur etwas für dich gespürt hatte. Ja, ich weiss heute, das war Quatsch, ich kann gerade wieder nicht anders, schon garnicht Initiativer ergreifen. Du hast damals den Knoten in mir gelöst und mir Vertrauen gegeben, richtig zu handeln. Nun fehlst du mir, wobei: wenn du noch da wärest, bräuchte ich die ganzen Gedanken ja überhaupt nicht! Du siehst, es ist kompliziert. Aber mit wem kann ich darüber reden? Das wäre derzeit nur Beata und die ist gerade in Kur. Ich weiß, du würdest es mir gönnen, wieder körperliche Nähe auch mit anderen Frauen zuzulassen. Schwierig und solche Gedanken am frühen Morgen… Um auch den ganz banalen Druck zwischen den Beinen loszuwerden, könnte ich ja mich selbst befriedigen. Das macht aber seit dem Tod von dir irgendiwe kein richtigen Spass mehr. Früher gelang mir das gut, wenn ich nur an dich gedacht habe, auch mit der Vorfreude auf gemeinsamen Geschlechtserkehr, aber seitdem…. Es ist alles so kompliziert und der Gedanke daran mach mich traurig… Aber ich hoffe einfach mal auf die Zeit, die das „Problem“ lösen wird und wenn man feste dran glaubt. Das hat uns beiden schon auch immer wieder das Glück gebracht. Es könnte mal wieder auf meiner Seite sein.

Gestern Abend dann wieder Dienst, inzwischen kann ich den ganz gut abhaben und er war gestern eine gute Ablenkung. Trotzdem kam danach auf dem Rückweg eine Schwermut auf, wieder ins einsame Haus zurückzukehren. Und dass man an einem solchen Tag nachts nicht gut schläft, das war absehbar. Aber solch ein Tag geht auch vorbei und jetzt wo ich ein Teil niedergeschrieben habe, für dich mein Engel, da geht es wieder leichter weiter. Immer ein Schritt in die richtige Richtung und lieben werde ich dich für immer und ewig!

In Liebe dein Andreas

Altenberge, den 14.10.2923

Guten Morgen mein Engel,

7.05 Uhr und ungefähr einer Stunde lang lag ich nun wach im Bett. Wach geworden von einen nicht so schönen Traum. Ganz kuriose Situation: ich mache irgendein Schützenfestumzug mit und der geht durch die Straßen von Ahaus(?!?) Dabei wird ein Banner an einem Wagen entrollt, das Werbung für deinen Hundeplatz macht. Ich mache ein Foto davon und will dir das per whattsapp schicken, aber ich schaffe es nicht. Bei jedem neuen Versuch spinnt das Handy mehr und es macht mich verückt. Wir kommen dem Haus meiner Eltern, wo du gerade bist(?!?), näher und ich schaffe es auch einfach nicht dich anzurufen, damit du das sehen kannst… Dann werde ich wach. Sehr detaillierter Traum, aber nicht schön das Gefühl. Lag das daran, dass ich gestern, wie oft, in meinen Fotos von dir/uns geschaut hatte und dann mal schauen wollte, welches letzte Foto du von mir bei facebook geliked hattest. Du hast immer Scherze darüber gemacht, wenn ich ein neues Foto gepostet und du das mitbekommen hattest und meintest etwas „genervt“: „Muss ich jetzt wieder irgend etwas liken?“ „Nein, musst du nicht. Dich interessieren meine Bildchen, wie du immer sagst, sowieso nicht.“. Dabei hast du in letzter Zeit oft meine Bilder sehen wollen, das war immer ein schönes Gefühl – deine Wertschätzung. Ich habe also bei facebook durchgescrollt und dabei kam ich unweigerlich zu dem Post von deinem Tod, den ich damals einfach schreiben musste. Ob das sinnvoll war, war ich mir damals nicht sicher, ich habe es einfach gemacht… Jetzt triggerte mich mein Text und… kurz, aber heftig war der Schmerz wieder da und Tränen flossen… Der Unterschied zu meinem Tief vor ein paar Wochen und die vielen tränenreichen Stunden, ich spüre schnell wieder die Dankbarkeit, mit dir so schöne Zeit gehabt zu haben und das beruhigt mich schnell. Diese Momente sind für mich immer sehr wichtig, sie machen immer ein Stück mehr Bewältigung und Erleichterung. Und seit dem ich den Spruch gelesen habe „Ich lasse mir von meiner Trauer nicht vorschreiben, nicht auch glücklich zu sein.“ und den beschriebenen Ereignissen der letzten Wochen, geht es mir ja im Augenblick deutlich besser. Die traurigen Momente bleiben, werden aber immer ein Stückchen erträglicher. Ich packe inzwischen das Leben wieder mehr an, auch weil ich genau weiß, du hättest das so gewollt. Und ich wiederum will dir das Ganze schreiben, weil ich das Gefühl habe, die Gedanken so besser sortieren zu können. Im Bett gingen sie noch unschlüssig hin und her. Jetzt bei einem Tee kann ich alles gleich schriftlich festhalten und etwas klarer beschreiben und das dann später nochmal lesen.

Jetzt gerade kommt Julia rein. Werde mal das Schreiben beenden und mit Ping noch vorm Dienst eine schöne Runde machen.

Bis bald und tausende Küsse von deinem Andy

P.S. Das war dann eine sehr schnelle Runde. Julia und Yuki kamen mit und da rennt Ping ja bis zu 30 km schnell, sie kommt so richtig in ein Jagdmodus und ist nachher garnicht müde…


Altenberge, den 14.10.2023

Mein lieber Engel,

nun arbeite ich wieder eine Woche und es fühlt sich gut an, trotz mancher „schlechter“ Stücke. Aber dann gab es ja diese Woche noch das Brahms Requiem. Das mochtest du sehr und ich auch. Ich war gespannt, wie ich deshalb emotional drauf reagiere. In den Proben ging es gut, dann heute das Konzert. Im ersten Satz dachte ich noch, geht ja. Aber als ich mir vorstellte, du hättest sicherlich im Konzert gesessen, Was hast duft gesagt, du gehst nicht für mich ins Konzert, sondern für die Musik. Du sagtest aber auch oft, dass es für dich ganz besonders und auch schön ist, mich im Konzert dann spielen zu sehen. Bei dem Gedanken, da war es um mich geschehen.Erst kullerten nur ein paar Tränen, aber dann…. Ich wäre am liebsten geflohen, ging aber nicht! Es war mir erst unangenehm, aber was sollte ich machen? Nun war das halt so und ich versuchte mir zu sagen, ich spiele jetzt einfach für dich, ich widme dir den Brahms.

So nah zur Bühne hättest du dich nicht gesetzt, dir ging es im Konzert immer eher um die Musik, als mich zu sehen, gar nah zu sein…So deine Worte, aber ich weiß ja, dass es anders war.

Das war ein schöner Gedanke und du warst mir ganz nah, aber mich triggerten immer wieder Worte des Textes und die fantastische und emotionale Musik. Ich konnte nicht anders. So flossen die Tränen einfach weiter und ich spielte um mein Leben, nur für dich! Erinnerungen kamen, wie deine Worte, das du mich tmmer gerne im Konzert spielen siehst. Das machte es nicht einfacher, zumal ich mich fühlte wie ein Häufchen Elend. Aber alles geht vorbei und ich konnte es auf dem Rückweg nachhause kaum glauben, wie fertig mich das Ganze gemacht hatte. Glaube, ich habe ewig nicht mehr so lange für den Heimweg gebraucht. Montag spielen wir in Osnabrück, mal schauen… Jetzt weiß ich aber, ich kann das packen. Wieder ein Schritt weiter? Aber sicher doch! Nun hier Zuhause muss ich schmunzeln bei dem Gedanken, du neckst mich und sagst: „stell dich doch nicht so an, ist doch nur Brahms“ ich hätte gesagt „du bist Schuld!“ Wir haben uns oft gegenseitig geneckt, wir haben uns beide nicht so ernst/wichtig genommen. Ich fand das immer erfrischend und da hat unsere Liebe zueinander einfach auch ausgenacht. Jetzt muss ich mir das halt vorstellen und eben schmunzeln. Bring mich ruhig öfter zum Schmunzeln, ich bin bereit.

Ich mag dich, nein, ich liebe dich, mein Engel in F-Dur! Dieser Flachwitz darf/musste jetzt sein oder? Und dann danach der Spruch von dir? „Typischer Denhoff!“


Berlin, der 7.10.2023

Mein allerliebster Engel! (Ich kenn ja nur einen…☺️)

Letzter Abend im Caddy im Grunewald stehend. Was war das für eine intensive Woche und so völlig meine Gedanken in eine gute Richtung ändernd. Ich habe das wohl so gebraucht und mein Bauchgefühl wird mein neuer Vertrauter. Erstens war es gut, alleine diesen Trip zu machen. Naja eben nicht ganz alleine, Ping war meine Begleitung und auch die hatte so Spass auf dieser Tour, du hättest deine helle Freude daran gehabt. Sie war gerne im Auto, war zum ersten Mal in einer Kneipe, im RBB und ist durch den Grunewald gerast – es war einfach eine Freude!

Zweitens war es gut, sich trotzdem jeden Tag mit jemanden zu treffen, oft mit Mirjam, mit der ich auch in Dresden war, um ihre zwei Zeichnungen in der Sonderausstellung im Deutschen Hygienemuseum zu sehen. Schon an anderer Stelle geschrieben: Wie stolz darf ein Papa sein? Wie stolz wärest du gewesen! Auch auf Ping, die vorher souverän meinen Städtetrip durch Dresden mitgemacht hat.

Es tat so gut, noch einmal etwas von Zuhause raus zu kommen, „Urlaub“ zu haben, unterwegs zu sein und das Leben, die Natur bewusst zu geniessen.

Aber auch Gespräche führen zu können, über Gott und die Welt, aber auch über meine privaten Situation seit deinem Tod. Und reden, reden, reden ist so so wichtig. Aber auch das alleine sein war es. Ich glaube, ich habe derzeit meinen Seelenfrieden mit meiner Situation gefunden, bin nicht mehr wie gelähmt, kann wieder genießen und vor allem handeln. Und das „nur“ wegen meiner Träume von dir mein Schatz. Endlich! Deine letzten Worte „mach das“ motivieren mich wieder, denn ich mach es – das Leben anpacken. Ganz einfach! Natürlich aus der heutigen Sicht, vor Wochen hätte ich gesagt: ich kann nicht, ich will nicht, wofür auch? Jetzt spürt auch meine Seele, für dich und vor allem für mich mache ich das. Ich hoffe, das bleibt so… Auch wenn es sicherlich mal Tage geben wird, die schwer werden, aber ich weiß jetzt schon – ich komme da raus. Habe es doch jetzt auch aus der ganz großen Tiefe rausgeschafft, mit Unterstützung so vieler netter Menschen. Ich habe endlich gehandelt, habe den Caddy ausgebaut, noch nicht fertig, muss ihn gerade in der Praxis ausprobieren, Erweiterungen sind geplant. Und ich bin unterwegs, ich gehe gerade meinen eigenen Weg. Du bist aber immer dabei, ganz nah in meinem Herzen.

Natürlich wäre es schön, wenn du mit in meinem Caddy dabei wärest….

Ich bin mir sicher, das freut dich, das alles so zu sehen! Dein Anteil daran war groß und intensiv, dein inniger Kuss hat mich so beruhigt und mir und meiner Seele Tür und Tor geöffnet, das Leben neu anzupacken. Ich bin dir so dankbar dafür und auch noch einmal muss ich das mal sagen, für die tollen 35 Jahre auch mit unsern Tiefen, aus denen wir aber immer zusammen rauskamen und die uns gestärkt haben, in unserer ganz besonderen Beziehung, das begreife ich auch immer mehr. Jeder war für den anderen da. Jetzt muss ich das alleine schaffen und ich schaffe das, jetzt eben mit meinem Engel!

Mir bleibt nur: ich liebe dich ganz dolle!


Altenberge, den 28.9.2023

Mein Schatz, 

Ja, du bist es immer noch, du wirst es immer mehr, oder sollte ich vielleicht lieber sagen: Engel? So wie ich dich immer öfter unbewusst genannt habe, seit der Krebsdiagnose… ?

Egal, die letzten Tage hatte mich Corona fest im Griff und von Glück kann ich sagen, dass du/wir die ganze Zeit vorher von Corona verschont geblieben sind. Es war schon sehr heftig, die Gliederschmerzen und das Fieber und ich habe dich in der Zeit noch mehr vermisst! Mal deine lieben Worte, die du immer auf Lager hattest oder deine neckischen Worte, wenn ich mal „zuviel“ gelitten hätte…. Aber jetzt hab ich es überstanden, auch ohne dich! Wobei: du bist ja immer bei mir, in jedem Moment, in jeder Sekunde. Anders aber immer intensiv, eben ein Engel! Ganz schwer das zu beschreiben. Ich hatte viel Zeit nachzudenken, was in letzter Zeit oftmals gar nicht gut war, aber immer nötig und wenn ich vieles nicht wahr haben wollte, mich hat das dennoch immer ein Stück weiter gebracht hat. Und dann kam die eine Nacht in der ich überhaupt nicht schlafen konnte. Ich muss dann doch gegen halb vier in der Nacht für einen Moment eingeschlafen sein und ich wurde im Traum von einem ganz innigen und tröstenden Kuss von dir wach. Ich hatte seit deinem Tod das erste Mal von dir geträumt, das war sehr schön. In den nächsten Träumen, an die ich mich morgens noch erinnere, warst du jetzt oft dabei. Einfach nur schöne Träume! Ob ich deswegen in letzter Zeit immer etwas weniger Schmerz in der immer noch großen Trauer verspüre? Die Gedanken sortieren sich langsam und ich begreife immer mehr, so weit das geht und das braucht viel Zeit, so habe ich gelernt, gespürt…. Wenn ich in der ersten Zeit nach deinem Tod immer wieder von meinen Gefühlen überwältigt wurde und sich große Hilflosigkeit breit machte, so war das schwer und unerträglich. Das ändert sich gerade etwas. Die Traurigkeit bleibt, aber die Schmerzen…sie werden etwas erträglicher. 

Leider musste ich wegen Corona ja Hamburg absagen und letztendlich fand ich das jetzt nicht mehr ganz so tragisch wie noch vor ein paar Tagen, denn derzeit tut mir das Alleinsein ganz gut, vielleicht weil es mir besser geht? Oder geht es mir besser, weil ich viel alleine bin? Keinen Dienst zu haben tat wirklich gut, ist aber natürlich überhaupt egar keine Option, ich will arbeiten und meinen geliebten Beruf auch wieder mit Freude ausüben. Trotzdem hab ich das Gefühl, hier auch einmal raus zu müssen und andere Dinge zu sehen. Mein Hausarzt hat mich weiter krank geschrieben, so dass ich die nächste Tage das Auto zu einem Minicamper reisefertig hinbekomme und Mirjam in Berlin besuchen kann. Ping kommt mit und irgendein Straßenrand werde ich zum Übernachten schon finden. Dafür ist der Caddy wie geschaffen. Danach hoffe ich mit guten Gedanken den Dienst wieder aufnehmen zu können, mit deiner Hilfe, mein allerliebster Engel. Klingt vielleicht komisch, ist aber so… Du bist mir inzwischen auf anderer Ebene eine große Hilfe, das ist schön und vielleicht kann ich so die Trauer erträglicher gestalten, versuchen werde ich es, werden wir beide es. Wie ist es wohl für dich, was ist jetzt mit dir? Wo steckst du? Trauerst du auch? Unendlich viele Fragen, die ich nicht wirklich beantworten, die keiner beantworten kann. Die ich inzwischen dran gegeben habe, mir zu stellen. Du bist ganz einfach in meinem Herzen, so würde ich es „banal“formulieren. Und wenn ich mein Handy anstelle, dann bist du da, immer, mit einem Lächen…

Ich liebe dich, mein Engel!


Münster, den 5.9.2023

Meine allerliebste Bille,

wann habe ich dir das letzte Mal einen Brief geschrieben. WhatsApp gilt natürlich nicht, da waren wir zwar fleißig dabei, aber ich meine so ein klassischer Brief? Das war zu unserer Sturm und Drangzeit, als ich schon in Mainz wohnte und du noch bei deinen Eltern. Damals fiel es mir schwer, denn ich hatte das vorher nie getan. Du warst(bist) halt meine erste große Liebe. Ich rang damals immer nach Worten und hatte irgendwie Angst, nicht das richtige zu schreiben. Ich weiß, es war unbegründet und du hast dich über mein „Gestammeltes“ immer wieder riesig gefreut und immer so schön geantwortet. Das gab mir Sicherheit, die ich damals so gut gebrauchen konnte. Und heute? Ich könnte so sehr diese Sicherheit wieder gebrauchen, die ich damals gespürt habe. Ich habe sie derzeit verloren, wie ich dich „verloren“ habe. Was ist anders? Dazwischen liegen 35 Jahre voller Liebe, Respekt, Erfahrung und und und, und wunderbare Erinnerungen, die ich, die wir haben durften. Diese Erinnerungen kann mir keiner mehr nehmen. Das wird mich hoffentlich wieder bald aus meinem derzeitigen großen Loch herausholen. Dieses Loch, welches vollgestopft mit Schmerz und Trauer ist, unbeschreiblich, aber so wirklich, dass ich darin zu ertrinken scheine. Auch wenn ich weiss, dass deine große Liebe mich da wieder rauszieht, finde ich derzeit noch keinen Halt. Die vielen Tränen „spülen“ mich immer wieder runter.

Ich sitze gerade alleine vor Il Pizzaiolo bei schönstem Sonnenschein nach einen Trauercafe im Johannes-Hospiz und vor dem Dienst am Abend und denke natürlich an die dutzendmal, die wir hier nach einem Konzert zusammengesessen haben und es tut so gut, dir jetzt und hier zu schreiben. Es ist fast wie Reden, als ob du mir gegenüber sitzt, ein schönes Gefühl. Ganz anders und vielleicht sogar intensiver als früher, aber ….mit feuchten Augen. Wie oft hätte ich dir z.B. heute schon gesagt: ich liebe dich. Und wie oft habe ich das seit deinem Tod schon gedacht…. Das ist, was bleibt, unendliche Liebe.


Also: ICH LIEBE DICH!

Dein Andreas

P.S. Heute, einen Tag später spüre ich, wie gut mir das getan hat, dir zu schreiben. Habe ja deine Seite schon mit einigen Texten gefüllt, aber einen Brief direkt an dich… das tut einfach nochmal auf andere Weise so gut und ich merke, ich brauche dich vielleicht gar nicht richtig loszulassen, wie es in Büchern oft beschrieben wird. Übrigens kam die Anregung von meiner Therapeutin und ich merke, mir geht es heute durch dieses Schreiben schon viel besser, als noch vorgestern nach der Therapie, wo ich meinen absoluten Tiefpunkt hatte und verzweifelt war und nicht einmal mehr zum Dienst gehen konnte. Das alles macht mir Hoffnung und ich fürchte, du muss wohl jetzt öfter wieder mein „Gestammel“ lesen…

Tausend Küsse von deinem Andy